Eine klassisch aufgestellte und gepresste Totalprothese ist nach dem letzten Einschleifen ein Unikat. Geht sie verloren oder bricht die Basis, beginnt die Arbeit wieder bei Abdruck und Bissregistrierung. Wer stattdessen eine digitale Totalprothese fräsen lässt, hat den kompletten Datensatz – Basis, Zahnaufstellung, Bisslage – nach Fertigstellung im System gespeichert und kann ihn jederzeit identisch nachfräsen. Für Patienten in Pflegeeinrichtungen oder mit beginnender Demenz ist das oft der eigentliche Grund für die Umstellung.
Gefräst statt aufgestellt und gepresst
Bei der klassischen Herstellung werden die Zähne einzeln in Wachs aufgestellt, die Basis anschließend in der Küvette gepresst. Beim Polymerisieren schrumpft der Kunststoff, die Basis muss remontiert und nachträglich eingeschliffen werden, bevor die Okklusion wieder stimmt. Bei der gefrästen Variante entfällt dieser Schritt: Die Basis wird aus einer industriell vorpolymerisierten PMMA-Ronde herausgefräst, die Zahnaufstellung vorher am Bildschirm gegen Mittellinie, Lachlinie und Vertikaldimension geprüft. Die Zähne fräsen wir je nach System entweder als eigenen Zahnbogen aus einer zweiten Ronde und kleben sie in die Basis ein, oder als Monoblock zusammen mit der Basis aus einem Stück. Die Ronde ist dichter als handangemischter Prothesenkunststoff, dadurch weniger Porosität, weniger Plaqueanlagerung und eine Oberfläche, die sich leichter reinigen lässt.
Welche Unterlagen wir für die Fräsung brauchen
Damit wir direkt konstruieren können, statt Rückfragen zu stellen, sollten folgende Daten dabei sein:
- Kiefermodelle oder Intraoralscan von Ober- und Unterkiefer, bei zahnlosen Kiefern inklusive Umschlagfalte, Tuber und Gaumen
- Bissregistrat mit der ermittelten Vertikaldimension – klassisch mit Bissschablonen und Wachswall oder als Scanbissnahme
- Fotos frontal und beim Lächeln für Mittellinie, Lachlinie und Zahnform
- Zahnfarbe und, falls vorhanden, die alte Prothese als Vorlage, wenn der Patient mit der bisherigen Zahnstellung zufrieden war
Die zweite Prothese: gleiche Passung, kein neuer Abdruck
Der Datensatz bleibt nach Fertigstellung gespeichert. Für eine zweite, identische Prothese als Ersatz braucht es keinen neuen Abdruck und keine neue Bissnahme – wir fräsen den bestehenden Datensatz ein zweites Mal. Das lohnt sich bei Patienten, die ihre Prothese leicht verlegen, bei Heimbewohnern mit wechselndem Pflegepersonal oder als Rückfalloption, falls die erste Prothese bricht, während der Patient im Krankenhaus liegt.
Ablauf bei uns im Haus
Zuständig für die Totalprothetik ist bei uns ein festes Team, mehrere Kolleginnen und Kollegen sind seit über zehn Jahren dabei und kennen die typischen Fehlerquellen bei zahnlosen Kiefern, etwa Schleimhautkompression bei der Abformung oder ein verrutschtes Bissregistrat. Gefräst wird in unserem eigenen Fräszentrum in Berlin-Reinickendorf, ohne Umweg über einen externen Dienstleister. Für Kolleginnen und Kollegen aus anderen Laboren, die selbst keine Fräsmaschine für Totalprothesen vorhalten, übernehmen wir die Fräsung auch als Lohnarbeit für Ihr Labor. Laborleiter Antonio Maisto prüft jede Konstruktion vor der Fräsung gegen die eingesandten Unterlagen. Abholung und Lieferung laufen über unsere tägliche Botentour in Berlin, ein Versand ist nicht nötig, auch bei eiligen Fällen nicht.
Wenn Sie einen zahnlosen Fall planen oder eine bestehende Totalprothese ersetzen müssen: schicken Sie uns die Unterlagen über unsere Praxis-Anfrage, wir sagen Ihnen vorab, ob Bissregistrat und Fotos für den konkreten Fall ausreichen oder was noch fehlt.