Ein Intraoralscan ersetzt zunächst nur die Abformung. Ob danach noch ein Modell gedruckt wird oder die Daten direkt ins CAM-System gehen, entscheiden wir Fall für Fall – abhängig von Zahnzahl, Material und davon, wie viel manuelle Kontrolle die Versorgung noch braucht. Modellfreie digitale Arbeitsweise heißt nicht, dass wir grundsätzlich aufs Modell verzichten – sie heißt, dass wir für jede Indikation einzeln entscheiden, ob der Scan allein ausreicht.
Modellfreie digitale Arbeitsweise: wann der Scan direkt reicht
Bei folgenden Indikationen geht die Datei nach Freigabe direkt vom Scan in die Fertigung, ohne Umweg über Druck und Trimmen:
- Monolithische Einzelkronen aus Zirkon oder NEM: Approximal- und Okklusionskontakte werden im virtuellen Artikulator gegen den gescannten Gegenkiefer berechnet. Ohne Verblendung gibt es keine Handarbeit, für die ein Modell nötig wäre.
- Provisorien aus PMMA für die Übergangszeit bis zur definitiven Versorgung.
- Kleine Brücken bis drei Glieder, wenn der Scan sauber ist – kein Bewegungsartefakt, Sulkus klar erfasst, Bissregistrierung passt.
- Nachbestellungen und Reparaturen, wenn wir an einem bereits bestehenden digitalen Datensatz weiterarbeiten.
Wann ein gedrucktes Modell noch Sinn hat
Bei anderen Indikationen bleibt das Modell Teil der Kontrolle, bevor die Arbeit die Praxis erreicht:
- Mehrgliedrige Brücken mit Verblendkeramik: Handschichtung und Einbrennen der Keramikmassen brauchen ein Modell, das geht nicht am Bildschirm.
- Modellguss und Klammerprothetik: Sattelverlauf, Klammerarme und Freiheitsgrade prüfen und arbeiten wir am Gipsmodell nach.
- Aufbissschienen, wenn die Praxis okklusale Kontakte vor der Eingliederung noch selbst mit Folie kontrollieren möchte.
- Komplexe Bisslagen – Kreuzbiss, starke Abrasion, mehrere Nachbarzähne im selben Kiefer: Hier prüfen wir Approximal- und Okklusionskontakte zusätzlich mit der Sonde am Modell, bevor die Arbeit rausgeht.
- Scans mit Lücken oder Bewegungsartefakten: Dann drucken wir, um Ränder und Übergänge nachzumessen, statt der Datei blind zu vertrauen.
Kurz gesagt: Je mehr Freiheitsgrade der Fall hat oder je mehr die Praxis selbst noch einschleifen will, desto eher drucken wir.
Was das für Honorar und Lieferzeit bedeutet
Modellfrei spart Druckharz, Aushärtezeit und Nachbearbeitung – je nach Fall einen halben bis einen ganzen Arbeitstag. Am Preis ändert das selten viel, weil Fräszeit und Materialkosten für Zirkon oder NEM gleich bleiben, egal ob mit oder ohne Modell gearbeitet wurde. Der Zeitgewinn zeigt sich vor allem bei eiligen Einzelkronen: Scan kommt morgens rein, wir fräsen im eigenen Haus, der Bote bringt die Arbeit noch am selben oder nächsten Tag zur Praxis zurück. Bei Fällen, die ein Modell brauchen, planen wir die zusätzliche Zeit für Druck und Kontrolle von vornherein ein, statt sie später als Verzögerung zu melden.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr nächster Fall modellfrei laufen kann: Schicken Sie uns den Scan, wir sagen Ihnen vorher, ob wir direkt fräsen oder ein Modell dazwischenschalten. Praxen, die noch keinen direkten Draht zu unserem Fräszentrum in Berlin haben, oder Kolleginnen und Kollegen aus anderen Laboren, die Kapazität für Teilfertigung suchen, erreichen uns über die Praxis-Anfrage.