Verschraubt oder zementiert entscheidet sich nicht am Stuhl, sondern vor dem Scan. Wer die Wahl erst bei der Eingliederung trifft, riskiert einen Schraubenkanal mitten in der Kaufläche oder eine Krone, die sich im Komplikationsfall nicht mehr zerstörungsfrei abnehmen lässt. Wir fertigen beide Varianten täglich in Zirkon und NEM auf Titanbasis - hier die Kriterien, die in der Praxis tatsächlich den Ausschlag geben, und die Angaben, die wir für die Fertigung brauchen.
Revidierbarkeit: der Hauptgrund für die Schraube
Implantate haben eine höhere Rate an Nachkontrollen als eigene Zähne - Periimplantitis, gelockerte Abutmentschrauben, Abutment-Frakturen. Bei einer verschraubten Krone lösen Sie die Okklusalschraube, nehmen die Krone ab, versorgen den Bereich und schrauben wieder ein. Bei einer zementierten Krone bleibt oft nur das Aufschleifen, wenn kein provisorischer Zement verwendet wurde. Gerade bei Patienten mit Bruxismus-Anamnese oder bekannter Parodontitis-Vorgeschichte würden wir zur verschraubten Variante raten, auch wenn der Aufwand am Stuhl am Anfang höher wirkt.
Zementreste als eigenständiges Risiko
Subgingivale Zementreste gehören zu den am häufigsten unterschätzten Ursachen für periimplantäre Mukositis. Anders als bei natürlichen Zähnen gibt es am Implantat keine desmodontale Anheftung, die Bakterien und Fremdkörper abpuffert. Wenn Sie zementieren, hilft uns Folgendes, das Risiko klein zu halten:
- Kronenrand maximal 1 bis 2 mm subgingival, besser auf Höhe des Gingivasaums
- individuelles Abutment statt Stock-Abutment, damit der Rand zirkulär gleich tief liegt
- ein Platzierungsindex aus dem Labor, mit dem Sie die Zementmenge kontrollieren
- bei tiefen Sulkusverhältnissen: Hybridversorgung, also eine verschraubte Titanbasis mit im Labor aufzementierter Zirkonkrone
Die letzte Variante verbindet beides - Zementreste bleiben extraoral, die Versorgung lässt sich trotzdem abschrauben.
Schraubenkanal-Position und Ästhetik
Der Schraubenkanal muss auf der Kaufläche austreten, idealerweise in der Zentralfossa, sonst geht das Loch durch die Höckerspitze oder frontal durch die Labialfläche. Ob das funktioniert, hängt von der Implantatachse ab. Bei stark nach bukkal geneigten Implantaten arbeiten wir mit Winkelschraubenkanal-Systemen, die den Austritt um bis zu 25 Grad verschieben können - das sehen wir aber erst im Backward Planning nach dem Scan. Ist die Achse zu ungünstig, bleibt nur Zementierung oder die Hybridlösung mit verschraubter Basis.
Was wir für die Fertigung brauchen
Damit die Suprakonstruktion beim ersten Versuch passt, brauchen wir von Ihnen:
- Implantatsystem, Plattform und Durchmesser, zum Beispiel Straumann BLX RC oder Nobel Conical Connection
- den verwendeten Scanbody-Typ oder, bei konventionellem Abdruck, das passende Implantat-Übertragungsteil
- gewünschte Verbindung: verschraubt, zementiert oder Hybrid
- bei zementiert: geplante Präparationsgrenze und Zementtyp
- bei verschraubt: gewünschte Austrittsstelle des Kanals und das Anzugsmoment laut Herstellerprotokoll
Aus dem Intraoralscan und dem Wax-up planen wir die Implantatachse rückwärts, verkleben die Titanbasis mit dem gefrästen Zirkonteil in unserem Fräszentrum in Berlin und liefern die fertige Suprakonstruktion samt Anprobeprotokoll aus.
Schicken Sie uns Implantatsystem und Scandaten, wir sagen Ihnen vorab, ob verschraubt möglich ist oder wo eine Hybridlösung sinnvoller ist. Für Praxen ohne eigenes Fräszentrum übernehmen wir auch die reine Teilfertigung der Suprakonstruktion nach Ihren Vorgaben. Anfragen nehmen wir über die Praxis-Anfrage entgegen.