Zirkon ist längst kein einheitliches Material mehr. Auf dem Kassenzettel oder in der Laborsoftware steht oft nur „Zirkonkrone“, dabei entscheidet der Yttriumanteil zwischen 3Y, 4Y und 5Y über Bruchfestigkeit und Lichtdurchlässigkeit der Restauration. Die Bezeichnung auf dem Lieferschein sagt nichts über Marke oder Preis, sondern über die Zusammensetzung des Zirkonoxid-Pulvers. Wer die falsche Generation für die Indikation wählt, bekommt entweder eine zu opake Front oder eine Seitenzahnbrücke, die der Belastung nicht standhält. Hier die Kurzfassung, die wir jeder Praxis vor der Auftragsvergabe geben.
3Y-Zirkon für Gerüste und weitspannige Brücken
Drei Mol Prozent Yttriumoxid, feinkörniges tetragonales Gefüge, Biegefestigkeit um die 1.100 bis 1.200 MPa. Der Preis dafür: geringere Transluzenz, im Mund wirkt das Material eher opak und braucht meist eine Verblendung oder zumindest Malfarbe. Bei weitspannigen Brücken zählt zusätzlich der Konnektorquerschnitt - 3Y verzeiht auch schlankere Verbinder, ohne dass am Zwischenglied Risse entstehen. Wir setzen 3Y ein bei:
- Voll- oder teilverblendeten Brücken über mehr als drei Glieder
- Freiendbrücken und Sekundärteilen auf Implantaten
- Gerüsten für Kombinationsarbeiten mit Titan-Klebebasis
- Restaurationen im Molarenbereich mit hoher Kaubelastung
5Y-Zirkon für Einzelkronen im Frontzahnbereich
Mit steigendem Yttriumanteil wächst der kubische Kristallanteil im Gefüge, das Material wird lichtdurchlässiger, in der Optik nah an Lithiumdisilikat. Dafür sinkt die Biegefestigkeit auf etwa 550 bis 650 MPa. Für eine monolithische Einzelkrone oder ein Veneer im ästhetischen Bereich reicht das ohne Weiteres, für eine vier-gliedrige Brücke im Seitenzahnbereich nicht. 5Y ist unsere erste Wahl bei Einzelzahnersatz von Prämolar zu Prämolar, bei dünnen Präparationsgrenzen und wenn der Nachbarzahn stark durchscheint. Für eine mehrgliedrige Brücke im Seitenzahnbereich raten wir von 5Y ab - an den Verbindern zwischen den Kronen bricht das Material unter Kaubelastung eher als 3Y oder 4Y.
4Y-Zirkon als Kompromiss für den Alltag
Zwischen beiden Extremen liegt 4Y: rund 750 bis 850 MPa Biegefestigkeit, spürbar transluzenter als 3Y, stabiler als 5Y. Für dreigliedrige Brücken bis zum ersten Prämolaren, für Kronen auf Pfeilerzähnen mit reduziertem Restzahnbestand oder wenn eine Praxis nicht bei jedem Fall zwischen zwei Materialien entscheiden will, ist 4Y oft die pragmatischste Lösung. Bei Patienten mit Knirscherschiene oder sichtbaren Facetten an den Nachbarzähnen wählen wir eher 4Y als 5Y, auch wenn die Indikation an sich für 5Y sprechen würde.
Was unser Fräszentrum vorrätig hat
Wir fräsen 3Y, 4Y und 5Y-Scheiben in unserem eigenen Fräszentrum in Reinickendorf - offene STL-Daten, Konstruktion in Exocad, keine Auslagerung an Dritte. Wir halten unterschiedliche Scheibenstärken vorrätig, auch für tiefe Präparationen mit wenig Platz für die Verblendkeramik. Die Materialwahl treffen wir anhand Röntgenbild und Bissverhältnis, nicht nach Katalog: Reicht die Restzahnsubstanz für eine dünne 5Y-Krone, oder braucht die Brücke die Reserven von 3Y. Für kleinere Labore, die selbst nicht fräsen oder kurzfristig Kapazität brauchen, übernehmen wir das als Lohnarbeit: Sie liefern die Konstruktion, wir liefern das gefräste Gerüst zurück.
Bei Grenzfällen - etwa einer vier-gliedrigen Brücke mit ästhetischem Anspruch im Eckzahnbereich - klären wir die Materialwahl am besten direkt am Fall, inklusive Röntgenbild oder Scan. Fall anfragen, wir liefern die Empfehlung meist noch am selben Tag zurück, Abholung und Lieferung übernimmt unsere tägliche Botentour in Berlin.